Leipziger Baumwollspinnerei
Die Spinnerei ist eine historische Fabrikanlage, die in den Jahren 1884 bis 1907 zur größten kontinentaleuropäischen Baumwollspinnerei gewachsen war. Auf einer Fläche von rund 12 ha ist neben der Fabrik selbst, eine Gartenanlage, Arbeiterwohnungen und ein Kindergartengelände angesiedelt. Der komplexe Erhaltungsgrad der historischen Bausubstanz hat nach dem Niedergang der Baumwollgarnproduktion in den frühen 90iger Jahren eine langsame aber kontinuierliche Wiederbelebung der Fabrik durch alternative Nutzungen ermöglicht.
Künstler, die heute die neue Leipziger Schule prägen, fanden und finden bis heute die idealen Atelierräume und die nötige Ruhe für ihre Arbeit. Kreative wie Architekten, Designer und Modemacher haben sich mit viel Eigeninitiative ihren idealen Lebens- und Arbeitsbereich geschaffen. Kleine Handwerksbetriebe sowie die verschiedensten Dienstleistungsbetriebe fanden in der Spinnerei das geeignete Umfeld. Gastronomie, Theater- und Tanzgruppen, Kunst- und Kulturinitiativen, kleine spezielle Läden und individuelle großflächige Wohnlofts bewirken neben der einzigartigen Architektur der komplexen Fabrikstadt den Charakter einer ausgesprochen charmanten Urbanität. In der Rubrik Kommune können Sie sich detailliert über die verschiedenen Nutzungen informieren.
Zu einem großen Schwerpunkt innerhalb der Spinnerei haben sich die Kunstproduktion, die Kunstpräsentation und der Kunsthandel entwickelt. Über 100 professionelle Künstler allein aus dem Bereich der bildenden Künste arbeiten in dem Areal. 11 Galerien und Ausstellungsflächen, Galerie EIGEN + ART, Dogenhausgalerie, Galerie Matthias Kleindienst, die Galerie b2, die maerzgalerie, ASPN, FRED London/Leipzig, Filipp Rosbach Galerie und PIEROGI Leipzig, das kostendeckend arbeitende SPINNEREI archiv massiv sowie die Non-profit Fläche der Stiftung Federkiel in der Halle 14 präsentieren Kunst aus Leipzig und aus aller Welt. Abgerundet wird das Bild durch die Ansiedelung des Künstlerbedarfshandels "boesner", der inzwischen zum wichtigen Versorger für die vielen Künstler am Ort geworden ist.
Etwas Geschichte
Gründungstag der Leipziger Baumwollspinnerei Aktiengesellschaft ist der 21.06.1884. Konzipiert werden sollte eine große deutsche Spinnerei für kräftigere Garnstärken in den Nummern bis 45er. Die Importgröße dieser Garne war so groß, daß zu deren Herstellung allein 500.000 Spindeln benötigt würden. Feinere Garnstärken der Nummern von 50er aufwärts konnten von den großen englischen Spinnereien zu niedrigen Zollsätzen auf den europäischen Markt geworfen werden.
Für insgesamt 123.200 Mk erwarb die Gesellschaft noch 1884 das 59.000 qm große Areal längs der alten Salzstraße von Dr. Karl Heine, dem Entwickler des Leipziger Westens. Mit fünf Spinnstühlen wurde noch 1884 die Produktion aufgenommen, bereits im März 1885 stand die I Spinnerei mit 30.000 Selfaktorspindeln in voller Produktion. 1888 wurde die zweite Spinnerei gebaut und mit 50 Selfaktor- und 20 Ringspinnmaschinen mit insgesamt 74.000 Spindeln in Betrieb genommen. 1886 war der Anschluß an die Bremer Baumwollbörse erfolgt. Gebaut waren inzwischen das erste Kontorgebäude und das erste Arbeiterwohnhaus in der Thüringer Straße Nr. 10. Betrieben wurde die II Spinnerei über eine Dampfmaschine von 1000 PS. 1889 begab man sich mit dem Bau der III Spinnerei zur Produktion von hochwertigen gekämmter Garne in feinen Nummern mit insgesamt 76.000 Spindeln und einer großen Anzahl von Kämmmaschinen in die Konkurrenz mit den großen englischen und schweizer Spinnereien.
Aktionäre
Die Dividende der Aktionäre hatte sich von anfangs 5% auf inzwischen 10% verdoppelt. Ab 1893 konnte kontinuierlich eine Dividende von 14% ausgezahlt werden. Mit der Produktion wuchs auch die Zahl der Menschen in der Spinnerei. Arbeiten in der Baumwollspinnerei hieß letztlich auch dort leben. So arbeiteten die Männer ca. 14 Stunden und die Frauen ca. 11 Stunden am Tag.
Das nähere Umfeld der Spinnerei wurde Piependorf genannt. Die Frauen trugen alle Schürzen, lange Röcke und viele Kämme im Haar. Gegen Morgen, nach Austragung von etlichen Faustkämpfen, gab es dann "Kranke" und "Verletzte". Eine stichhaltige Begründung zum "Blaumachen" war also gegeben. Wie gesagt, es war ja alles so billig. In den Mittagspausen, in welchen beim Pfeifer-Louis auch oft getanzt wurde, und zum Feierabend standen am Eingang zur Spinnerei die Straßenhändler und boten Apfelsinen, Bücklinge, oder auch Gipsfiguren und Textilien feil; es war alles da. Der Freitag war der große Tag. Mittags bekamen die Frauen ihren Lohn, zum Feierabend die Männer. Da wurde "gelebt". Mittags lachten der Bäcker und der Obsthändler, am Abend die Gastwirte. Sonnabends hatte die Kantine die Ehre. Für ein Mark bekam man die halbe Welt.
Produktion
Die Piependorfer Eingeborenen lebten wie eine große Familie, keiner war reicher, keiner war ärmer als der andere. Sie vermehrten sich, rauften auch manchmal und standen vom Freitag bis Sonntag unter dem Einfluß des Alkohols. Die Gegend war in Leipzig berüchtigt und deshalb gemieden. Nur die Friedhofsbesucher kamen und gingen. Wer Sonntags ausging nach der inneren Stadt, der mußte sozusagen Spießrutenlaufen. In der Thüringer-Straße lugten tausend Augen, vom gewaltigen Betriebskrankenkassenmann Scheer bis zur letzten Hausfrau. Man mußte doch sehen, was die Vorübergehenden auf dem Leibe hatten. Ich sagte schon, es war eine ärmliche Welt. Die Romantik war geringer Natur, die Poesie kümmerlich. Und doch sah und hörte der Aufmerksame soviel, als er zu einem ganzen Roman brauchte. Es war ja doch der Abglanz der großen Welt von draußen.
Bis 1899 waren ein Kindergarten und weitere Arbeiterwohnhäuser entstanden. Eine 21 Mann starke Musikkapelle und der "Männerchor Frohsinn" wurden ins Leben gerufen und werden gerne zu betrieblichen Gelegenheiten herangezogen. 1903 setzt ein Streik den 10 Stunden Arbeitstag durch. Im Jahre 1907 startete in Deutsch-Ostafrika das ehrgeizige Unternehmen eigene Baumwolle zu produzieren. Unter dem Namen "Leipziger Baumwollspinnerei-Pflanzungen Cherhami bei Sadami und Kissanke am Wami" wurden bis zum ersten Weltkrieg auf rund 30.000 Hektar Baumwolle angepflanzt.
Mit dem Jahr 1909 ist das erste Vierteljahrhundert in der Entwicklung der Leipziger Baumwollspinnerei erreicht. Die Leitung hat es verstanden, mit dem stürmischen Tempo der Industrieausbreitung in den Gründerjahren Schritt zu halten und das Werk innerhalb 25 Jahren zur größten Baumwollspinnerei des Kontinents zu entwickeln. Textsource:
www.spinnerei.deArbeitswoche in Leipzig in der Leipziger Baumwollspinnerei Spinnerei Strasse 7, 4179 Leipzig,Germany. (11. - 15. Februar)
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